Dienstag, 23 Oktober 2018 18:29

Gesichter des TCG: Irene Mühlenbrock Empfehlung

geschrieben von  Marc Mühlenbrock
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Meine Mutter ist wahrscheinlich das einzig verbliebene Mitglied aus den Gründungstagen des TC Grävingholz und somit das langjährigste Vereinsmitglied. So genau weiß sie das allerdings selbst nicht mehr, zu viele Menschen hat sie in den Jahren beim TCG kommen und gehen sehen. Dabei verliert man wohl zwangsläufig den Überblick darüber, wer wie lange in diesem Club ist, der anfangs im Übrigen noch gar kein Club war. Aber sie erinnert sich noch gut daran, wie ihr Vater, Vereinsgründer und erster Vereinspräsident Rolf Schmidt-Palz, sie damals ab und zu mal mit auf den einzig bestehenden Platz nahm (heute Platz Nr.5), um „mit den Großen“ zu spielen – oder zumindest als Ballmädchen zu helfen.

Wir schreiben die 50er Jahre, die schlimmsten Nachkriegswehen sind überwunden, aber wer einen Tennisplatz bauen will, der braucht schon gewaltigen Ehrgeiz – einfach weil es an fast allem fehlt. Diesen Ehrgeiz und das dazugehörige Organisationstalent hat Rolf Schmidt-Palz. Er schafft schwarze Asche aus dem Harpener Bergbau heran, seine Frau Helene, also meine Oma, und Rita Kellner, Mutter von Cajo, Oma von Fabian und Benny Kellner, häkeln die Netze. Die Duschen befinden sich in den Häusern der beiden Familien, auf der Straße zum Tennisclub. Meine Mutter erinnert sich noch, wie dort alles immer schwarz vor Asche war nach einem Spieltag. Und wie sie und ihre Freunde und Freundinnen an der Einfahrt der Straße zum Club Spalier standen, um die gegnerische Mannschaft mit grün-weißen Fähnchen und ganz viel Sportsgeist Willkommen zu heißen. Diesen Sportsgeist hatte sie auch in den darauffolgenden Jahrzehnten, als sie einige Clubmeistertitel gewann, unterbrochen nur von einer mehrjährigen Auszeit, in der sie sich auf ihre Arbeit als Werbe-Grafikerin konzentrierte. Wie viele Titel sie einheimste, weiß sie heute nicht mehr – und das schien ihr auch nie wichtig. Ich fand irgendwann mal einige Pokale in einer Kiste, denn „die Dinger sind ja doch nur Staubfänger“. Was mir noch stärker im Gedächtnis geblieben ist, war ihr Unmut über Gegnerinnen in Mannschaftsspielen, die geschummelt haben. Auch wenn sie das vielleicht den ein oder anderen Sieg gekostet hat, „zurückschummeln“ konnte sie einfach nie. „Dafür habe ich kein Talent“. Wohl aber dafür, den Ball auch heute noch, mit Anfang 70, mit Finesse auf die andere Seite zu spielen. Auch wenn sie den Top Spin wohl nicht mehr lernen wird. Vorwärts, Mama!

Gelesen 549 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 25 Oktober 2018 19:41